13 April 2026

Polybot: Mit Robotik die Zukunft der Lebensmittelproduktion sichern 

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KI-gesteuerte Erntehelfer

Das Tübinger Start-up Polybot zeigt, wie die Zukunft der Automatisierung in der Lebensmittelproduktion schon bald aussehen könnte: Intelligente Roboter arbeiten auf dem Feld oder in Gewächshäusern und führen Aufgaben aus, die sie wie ein Mensch erlernt haben. Dieses Jahr gibt es eine weitere Finanzierungsrunde, 2027 soll der Markteintritt gelingen.

Die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, trägt dazu bei, dass unsere Böden und die Umwelt stark belastet werden. Sie setzt auf große Landmaschinen, Monokulturen und vernachlässigt die Biodiversität. Das Tübinger Startup Polybot zeigt, wie die Zukunft der Automatisierung in der Lebensmittelproduktion diese Herausforderung lösen kann: mit intelligenter Robotik, die Aufgaben nicht nur ausführt, sondern wie ein Mensch erlernt. Mithilfe neuartiger Lern-Algorithmen ermöglicht das Unternehmen die wirtschaftliche Automatisierung komplexer Aufgaben im Gewächshaus und auf dem Feld, die bisher menschliche Geschicklichkeit voraussetzen. Damit löst das Unternehmen gleich zwei Probleme: Es lindert den weltweiten Personalmangel in der Landwirtschaft und ermöglicht gleichzeitig nachhaltige Anbauformen profitabel zu gestalten. 

„Polybot kann helfen“, sagt Geschäftsführer Martin Kiefel, „damit die Landwirtschaft Zukunft hat.“ Denn während Monokulturen zwar effizient sind, belasten sie Boden und Biodiversität. Regenerative Polykulturen könnten die Lösung sein, doch sie sind komplex und bisher kaum profitabel zu bewirtschaften. Eine weitere Herausforderung sind die hohen Lohnkosten und der zunehmende Fachkräftemangel, insbesondere in Ländern wie Deutschland und den Niederlanden.

Im Gegensatz zu traditionellen, starren Robotik-Ansätzen, die Monate oder Jahre der Programmierung für jede neue Aufgabe benötigen, setzt Polybot auf eine „Single Neural Network Policy“. Das System lernt direkt aus Demonstrationen. Eine robuste Arbeitsweise wird bereits nach etwa vier Stunden Training erreicht. Dieselbe Software kann ohne Code-Änderungen für verschiedene Kulturen und Aufgaben, von der Aussaat über die Pflege bis zur Ernte, eingesetzt werden. Weitere Faktoren, die die Kosten für Polybot Kunden drastisch senken, sind die im Roboter verbaute  Standard-Hardware sowie die Unabhängigkeit von Cloud-Verbindungen durch Einsatz von direkt auf den Robotern laufenden KI-Algorithmen.

Als erstes Produkt entwickelt Polybot einen Ernteroboter für Rispentomaten. Mit einer Geschwindigkeit von 6–7 Sekunden pro Rispe arbeitet das System bereits heute auf menschlichem Niveau und kann die Erntekosten für Erzeuger deutlich senken. Ein einziger Ernteroboter könnte schon bald die Ernteproduktivität auf 150% steigern.. Die technische Basis entstand unter der Leitung von Wieland Brendel am ELLIS Institute Tübingen, aus dem Polybot im November 2025 offiziell ausgegründet wurde. „Wir bringen KI-Spitzenforschung aus dem Labor direkt in die Anwendung. Polybot zeigt, wie die Europäische KI-Forschung durch vertrauenswürdige und menschenzentrierte Technologie globale Standards setzt und reale gesellschaftliche Probleme löst.“, betont Tobias Leismann, Geschäftsführer des ELLIS Institute Tübingen. Unterstützt wird das Team ebenfalls durch einen Gründungszuschuss der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Für Mitte 2026 ist eine Finanzierungsrunde geplant, um den Markteintritt vorzubereiten.

Nach erfolgreichen Pilotprojekten plant Polybot für 2027 den Markteintritt. In den kommenden Jahren soll das Portfolio auf weitere Obst- und Gemüsesorten sowie Aufgaben wie das Entlauben ausgeweitet werden: ein Schritt hin zu einer nachhaltigeren und effizienteren Landwirtschaft.